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Fließgewässer im Mittel- und Unterlauf mit flutendem Hahnenfuß

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Fließgewässer im Mittel- und Unterlauf mit flutendem Hahnenfuß

Bei ausreichend guter Wasserqualität und natürlichem Untergrund können sich in Bächen und Flüssen Wasserpflanzen ansiedeln und einen ebenso optisch ansprechenden wie wertvollen Lebensraum darstellen.

Die Zuordnung zu diesem Biotoptyp (u.a. als Lebensraumtyp im internationalen Naturschutz; Natura 2000) findet weniger aufgrund der Morphologie, sondern aufgrund der Pflanzenwelt statt. Je nachdem wo sich das Gewässer befindet, also z.B. im hügeligen Mittelgebirge oder flachen Tiefland oder je nach Gestein kann der Untergrund deshalb sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Von feinen, schlickig-sandigen Materialien bis zu Schotter oder felsigen Substraten. Auch die Strömungsgeschwindigkeit kann variieren; während sie in Gräben oder Altarmen gering ist, steigt die Fließgeschwindigkeit in typischen Flüssen der Mittelgebirge.

Als Wasserpflanzen findet man die verschiedensten Pflanzenarten, teilweise auch als Mosaik gemeinsam an einem Standort. Während im Frühjahr meistens noch nicht sehr viel von den Pflanzen zu bemerken ist, treten sie im Verlauf des Jahres immer mehr hervor und können wie am Beispiel des Flutenden Hahnenfußes (Ranunculus fluitans) zum Zeitpunkt der Blüte fast die gesamte Wasseroberfläche abdecken (Foto).

Naturnahe und natürliche Fließgewässer mit Wasserpflanzen sind ein sehr wichtiger Lebensbereich für viele Tier- und Pflanzenarten. Als typische Pflanzenarten können neben den bereits genannten Flutenden Wasserhahnenfuß beispielhaft Schild-Wasserhahnenfuß (Ranunculus peltatus), Pinselblättriger Wasserhahnenfuß (Ranunculus penicillatus), Haarblättriger Wasserhahnenfuß (R. trichophyllus), Gewöhnlicher Wasserhahnenfuß (R. aquatilis); untergetauchte, im Wasserkörper befindliche Formen von Einfachem Igelkolben (Sparganium emersum), Berle (Berula erecta), Gewöhnlichem Pfeilkraut (Sagittaria sagittifolia), Wassersternarten (Callitriche spp.), Wechselblütiges Tausendblatt (Myriophyllum alterniflorum), Knoten-Laichkraut (Potamogeton nodosus) und Kamm-Laichkraut (Potamogeton pectinatus) genannt werden. Viele Moosarten schließen sich an.

Natürlich denkt man bei den Tieren zuerst an zahlreiche Fischarten, von denen exemplarisch Bachneunauge (Lampetra planeri), Westgroppe (Cottus gobio), Schlammpeitzger (Misgurnus fossilis) und Steinbeißer (Cobitis taenia) genannt werden können.

Unter den Insekten selbstverständlich auch Libellenarten wie die Gebänderter Prachtlibelle (Calopteryx splendes) und Blauflügel Prachtlibelle (Calopteryx virgo) oder verschiedene Keiljungferarten, wie die Grüne Keiljungfer (Ophiogomphus cecilia). Darüber hinaus verschiedene Wasserinsektenarten aus den Ordnungen der Steinfliegen und Köcherfliegen.

Dieser Lebensraum ist auch das Habitat für die seltene Flussperlmuschel (Margaritifera margaritifera) und den Fischotter (Lutra lutra). Eisvogel, Flussuferläufer, Uferschwalben, Wasseramsel und Gebirgsstelze können als typische Vogelarten genannt werden.

Bildergalerie von typischen Pflanzenarten in diesem Lebensraum

Flutender Wasserhahnenfuß

Verbreitung

In Deutschland sind Flüsse und Bäche mit Unterwasservegetation von den Ebenen bis in die Bergstufe der Gebirge in allen Naturräumen weit verbreitet. Der Schwerpunkt des Vorkommens erstreckt sich von den Unterläufen der Bergbäche bis in die größeren Flüsse. In Baden-Württemberg liegen z.B. Verbreitungsschwerpunkte in den Naturräumen Schwarzwald, Schwäbisch Fränkischer Wald, Alpenvorland, Albvorland, Schönbuch und Glemswald, Stromberg und Odenwald sowie in Teilbereichen an Donau, Argen, Wutach, Murg, Neckar, Rems, Enz, Nagold, Kocher, Jagst und Tauber. In Rheinland-Pfalz konzentrieren sie sich aber auf die westliche Eifel, kleinere Bereiche des Westerwaldes und vor allem auf den Pfälzerwald sowie die Fließgewässer, die vom Haardtrand durch die Rheinaue zum Rhein fließen. In Sachsen finden sich Häufungen im Mulde-Lößhügelland und in den Mittelgebirgen (Vogtland, Erzgebirge, Sächsische Schweiz). Auch in allen anderen Bundesländern ist dieser Lebensraum nicht selten.

Natura 2000 Lebensraumtyp

Verbreitung

Dieser Biotoptyp ist ein europaweit besonders geschützter Lebensraum! Natura 2000 - Code: 3260

"Fließgewässer im Mittel- und Unterlauf mit flutendem Hahnenfuß" sind ein eigenständiger Lebensraumtyp, der auf Anhang I der FFH-Richtlinie gelistet ist.

Der Lebensraumtyp umfasst Abschnitte Fließgewässer des Flachlandes und der Mittelgebirge, die durch das Vorkommen von flutender, untergetauchter Vegetation ausgezeichnet sind. Dabei sind neben natürlichen Fließgewässern wie Bäche und Flüsse auch durchströmte Altarme sowie ständig wasserführende eingeschlossen.

© Verbreitungskarte. Quelle: BfN/BMUB 2019: Nationaler Bericht Deutschlands nach Art. 17 FFH-Richtlinie; basierend auf Daten der Länder und des Bundes. Datengrundlage: Verbreitungsdaten der Bundesländer und des BfN.


Gefährdung

Wie für alle Fließgewässer ist die Hauptgefährdungsursache der Fließgewässerausbau mit Aufstauungen, Uferverbau und -befestigungen, Sohlenverbau, Gewässerbegradigung, Stromgewinnung sowie Nährstoff- und Schadstoffeintrag. Weitere Gefährdungen sind Wasserentnahme, Erwärmung der Gewässer, Schifffahrt, fischereiliche Nutzung und intensive Freizeitnutzung.

Es gilt daher die natürliche Fließgewässerdynamik zu erhalten und die Gewässer mit ihrem gesamten Wassereinzugsgebiet vor Nährstoff- und Schadstoffeinträgen zu bewahren. In vielen Gewässern ist ggf. ein Rückbau von Sohl- und Uferbefestigungen oder Staustrecken erforderlich.

Besonderheiten

Während vor einigen Jahrzehnten die massive Belastung der Gewässer durch Abwassereinleitungen den Hauptfaktor im Problemkatalog darstellte, ist diese Belastung in heutiger Zeit deutlich zurückgegangen. Durch entsprechende Reinigungs- und Filtermaßnahmen ist die Wasserqualität in vielen Fließgewässern deutlich besser geworden. Daraus resultierend hat die Wiederausbreitung der Bäche und Flüsse mit entsprechenden Wasserpflanzengesellschaften begonnen. Die Fließwasserpflanzengesellschaften verbessern dann zusätzlich die Selbstreinigungsvorgänge und fördern die Sauerstofferzeugung im Gewässer. Sie stellen dann wichtige Habitate für viele Vertreter der Gewässerfauna dar.

Libellen in diesem Lebensraum

Typische Arten

Blaue Federlibelle
(Platycnemis pennipes)

6Eine Kleinlibelle mit charakteristischen Beinschienen

Blauflügel-Prachtlibelle
(Calopteryx virgo)

Möglicherweise die schönste einheimische Libellenart

Gebänderte Prachtlibelle
(Calopteryx splendens)

Eine auffällige Kleinlibelle an Flüssen und Strömen

Gemeine Keiljungfer
(Gomphus vulgatissimus)

Eine der häufigeren Keiljungfern in Deutschland

Grüne Flussjungfer
(Ophiogomphus cecilia)

Auffällig grüne Großlibelle an sandigen Bächen

Kleine Zangenlibelle
(Onychgomphus forcipatus)

Gelbliche Libelle mit auffälligem Hinterleibsende



Weitere Arten

Blaugrüne Mosaikjungfer
(Aeshna cyanea)

Die häufigste große Libelle an Seen, Teichen, Tümpeln und manchmal sogar im Wald

Blutrote Heidelibelle
(Sympetrum sanguineum)

Knallrote Libelle an Tümpeln und Seen

Fledermaus-Azurjungfer
(Coenagrion pulchellum)

Eine Azurjungfer an Teichen und Seen mit üppigem Wasserpflanzenbewuchs

Frühe Adonislibelle
(Pyrrhosoma nymphula)

Feuerrote Kleinlibelle am Gartenteich

Gemeine Weidenjungfer
(Lestes viridis)

Eine Binsenjungfer mit ungewöhnlichem Eiablageplatz

Große Pechlibelle
(Ischnura elegans)

Möglicherweise die häufigste Libellenart in Deutschland

Großes Granatauge
(Erythromma najas)

Eine Kleinlibelle mit auffälligen roten Augen

Herbst-Mosaikjungfer
(Aeshna mixta)

Eine spät auftretende Großlibelle an Weihern mit Schilfgürtel

Kleines Granatauge
(Erythromma viridulum)

Eine Kleinlibelle mit roten Augen und hellblauem Körper

Spitzenfleck
(Libellula fulva)

6Eine charakteristische, aber seltene Libelle der Flussauen


Süßwasserfische in diesem Lebensraum

Typische Arten

Aland
(Leuciscus idus)

Die übersehene Fischart in unseren Gewässern

Brachse
(Abramis brama)

Hochrückige Fische mit auffälliger Afterflosse

Döbel
(Squalius cephalus)

Der häufige Fisch mit dem breiten Kopf

Dreistachliger Stichling
(Gasterosteus aculeatus)

Ein kleiner, bunter und streitsüchtiger Fisch

Elritze
(Phoxinus phoxinus)

Kleiner Schwarmfisch mit prächtigem Hochzeitskleid

Europäischer Hecht
(Esox lucius)

Der Fisch mit dem Entenschnabel

Flussbarsch
(Perca fluviatilis)

Verbreiteter Barsch in vielen Gewässern

Forelle
(Salmo trutta)

Der bunte Speisefisch in unseren Bächen

Gründling
(Gobio gobio)

Rundlicher Grundfisch in Fließgewässern

Rotauge
(Rutilus rutilus)

Häufiger Fisch mit markant rotem Auge

Rotfeder
(Scardinius erythrophthalmus)

Ein Fisch mit auffälligen roten Flossen

Steinbeißer
(Cobitis taenia)

Kleiner, langestreckter Grundfisch.

Zährte
(Vimba vimba)

Der Fisch mit der schwarzen Nase



Weitere Arten

Bachneunauge
(Lampetra planeri)

Ungewöhnlicher Fisch mit aalartigem Körper

Barbe
(Barbus barbus)

Strömungsliebender Grundfisch in Flüssen

Gemeiner Sonnenbarsch
(Lepomis gibbosus)

Der fremde Aquarienfisch in unseren Gewässern

Giebel
(Carassius gibelio)

Verbreiteter Karpfenfisch mit langer Rückenflosse

Groppe
(Cottus gobio)

Gedrungener Grundfisch in sauberen Bächen

Güster
(Blicca bjoerkna)

Hochrückiger Fisch mit großem Auge und ähnlicher Schwesterart

Hasel
(Leuciscus leuciscus)

Mittelgroßer Schwarmfisch mit ungewöhnlichem Namen

Kaulbarsch
(Gymnocephalus cernua)

Kleiner gedrungener Schwarmfisch mit zackigem Rücken

Regenbogenforelle
(Oncorhynchus mykiss)

Ungeliebter Neubürger aus Kanada

Schleie
(Tinca tinca)

Der hübsche Fisch in pflanzenreichen Gewässern

Schneider
(Alburnoides bipunctatus)

Der Fisch mit der Doppelnaht

Stachelgroppe
(Cottus perifretum)

Einheimische Groppe mit rauher Haut

Wels
(Silurus glanis)

Einer unserer größten Süßwasserfische


Säugetiere in diesem Lebensraum

Wanzen in diesem Lebensraum

Referenzlisten:

Natura2000: Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen

EUNIS 2021/22: European Nature Information System (EUNIS; deutsch Europäisches Naturinformationssystem). EUNIS marine habitat classification (Updated version March 2022), EUNIS terrestrial classification (Updated 2021)

EuroVegChecklist: Bergmeier E. (2020) & Mucina et al. (2016)

Bergmeier E. (2020): Die Vegetation Deutschlands – eine vergleichende Übersicht der Klassen, Ordnungen und Verbände auf Grundlage der EuroVegChecklist. Tuexenia 40: 19–32.

Mucina L., H. Bültmann, K. Dierßen, J.-P. Theurillat, T. Raus, A. C arni, K. Š umberová, W. Willner, J. Dengler, R. Gavilán García, M. Chytrý, M. Hájek, R. Di Pietro, D. Iakushenko, J. Pallas, F.J.A. Daniëls, E. Bergmeier, A. Santos Guerra, N. Ermakov, M. Valachovic , J.H.J. Schaminée, T. Lysenko, Y.P. Didukh, S. Pignatti, J.S. Rodwell, J. Capelo, H.E. Weber, A. Solomeshch, P. Dimopoulos, C. Aguiar, S.M. Hennekens & L. Tichý (2016): Vegetation of Europe: hierarchical floristic classification system of vascular plant, bryophyte, lichen, and algal communities. Applied Vegetation Science, Vol. 19, Supplement 1: 1-264.

Ellenberg, H. & Leuschner, C. (2010): Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen, 6. Aufl., Stuttgart: 1357 S.

Delarze R., Gonseth Y., Eggenberg S., Vust M. (2015): Lebensräume der Schweiz. Ökologie - Gefährdung - Kennarten. 3. Auflage 2015. 456 Seiten.

Finck, P., Heinze, S., Raths, U., Riecken, U., Ssymank, A. (2017): Rote Liste der gefährdeten Biotoptypen Deutschlands – dritte fortgeschriebene Fassung 2017. Naturschutz und Biologische Vielfalt 156, 460 S.

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Referenzlisten

Bezüge zu anderen Listen:
Ellenberg & Leuschner (2010) 1.5.1.5
Finck et al. (2017) 23.01, 23.02
EUNIS 2021/22
EuroVeg-Checklist 12NB02A
Delarze et al. (2015) 1.2.1.
Natura 2000 3260
Häufigkeit häufig

Online: https://www.deutschlands-natur.de/lebensraeume/suesswasser/fluesse-der-planaren-bis-montanen-stufe-ranunculion-fluitantis-und-des-callitricho-batrachion/
Datum: 25.05.2024
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