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Frauenschuh (Cypripedium calceolus)

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Frauenschuh (Cypripedium calceolus)

Der Frauenschuh ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 15 bis 60 Zentimetern erreicht. Am etwas gebogenen und behaarten Stängel befinden sich drei bis fünf breit-elliptische, stängelumfassende Laubblätter, die nach außen spitz zulaufen. Diese weisen eine Länge zwischen 5 und 13 cm auf. Die hellgrünen Laubblätter zeigen an der Blattunterseite eine feine flaumige Behaarung. Auch die kräftige Nervatur ist deutlich erkennbar. Die Blätter sind durch Längsfalten versteift und leiten dadurch das Regenwasser zum Stängel hin ab. In der Regel sind die einzelnen Triebe einblütig, oft tragen sie bei gutem Wachstum der Pflanze auch zwei Blüten, selten drei oder vier.

Die zwittrigen, zygomorphen Blüten sind dreizählig. Die vier äußeren purpur- bis schokoladenbraunen Perigonblätter sind etwa 5 cm lang. Sie zeigen eine spitz-lanzettliche Form und umgeben breit abstehend den gelben „Schuh“. Die schmalen Petalen sind häufig etwas gedreht. Die sehr große, kräftig gelbe Lippe wird von einem inneren Perigonblatt gebildet und zu einem bauchigen Schuh umgeformt. Durch Überkrümmung des Blütenstiels drehen sich bei Öffnung die Blüten um 180°, was bedeutet, dass das Labellum ursprünglich das obere, innere Perigonblatt der Blüte ist.

Der Schuh erreicht eine Länge von vier bis acht cm. Die Blüten des Frauenschuhs zählen damit zu den größten unserer Flora und stellen die größten Einzelblüten unter den europäischen Orchideen dar.

Verbreitung

Verbreitung Cypripedium calceolus

Der Frauenschuh ist eine südwestliche Art. Verbreitungsscherpunkte liegen in Süddeutschland, Osthessen, Thüringen und Südniedersachsen.

Hinweis: Datengrundlage der Karte ist die Datenbank FlorKart (BfN) aus deutschlandflora.de (NetPhyD), wie sie auf www.floraweb.de zur Verfügung gestellt wird (Datenstand 2013, zuletzt aufgerufen am: 01.07.2016)


Ökologie

Der Frauenschuh ist ein Rhizom-Geophyt. Im Gegensatz zu den meisten anderen Orchideenarten besitzt der Frauenschuh keine Knollen. Er bildet mit Niederblattschuppen besetzte, verdickte Rhizome als Speicherorgane aus, über welche auch die vegetative Ausbreitung erfolgen kann. Bei günstigen Standortbedingungen kann der Frauenschuh über sein Rhizom größere Horste bilden. Am Ende der Vegetationsperiode stirbt die oberirdische Pflanze als Ramet ab. Die Knospen für die nächstjährigen Sprosse werden gegen Ende der Blütezeit entwickelt. Die Knospen überwintern knapp unter der Erdoberfläche. Die Pflanze lebt mit einem Pilz der Gattung Rhizoctonia in Symbiose. Die Ernährung erfolgt jahrelang über diesen Pilz, bevor das erste grüne Blatt nach etwa vier Jahren angelegt wird. Bis zur Blühreife können 16 Jahre vergehen.

In Mitteleuropa beginnt die Blütezeit des Frauenschuhs Mitte Mai und dauert bis Ende Juni an. Der Frauenschuh wird von Insekten bestäubt.

Als Früchte werden einfächrige Trockenkapseln gebildet, die winzige Samen enthalten. Sie werden durch den Wind als Körnchenflieger ausgebreitet. Ihre Sinkgeschwindigkeit beträgt nur 25 am pro Sekunde, damit erreichen sie Flugweiten von ca. 10 km. Die Fruchtreife erstreckt sich von Juli bis September.

Gefährdung

Der Frauenschuh gilt nach der Roten Liste als gefährdet und ist nach der Bundesartenschutzverordnung streng geschützt. Er fällt als prioritäre Art unter die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie Anhang 2 und steht damit unter besonderem Schutz der Europäischen Union. Hieraus ergibt sich für Deutschland für den Erhalt der Art eine besondere Verantwortung und eine Berichtspflicht gegenüber der EU. Der Schutz der Vorkommen wird dadurch auch zu einer behördlichen Obliegenheit.

Als ursächlich für die Gefährdung wird vor allem die weitreichende Forstwirtschaft gesehen, die eine natürliche Waldentwicklung und -dynamik kaum zulässt. Auch Pflanzenliebhaber, die den Frauenschuh ausgraben, um ihn in ihrem eigenen Garten einzupflanzen, tragen wesentlich zum Rückgang der verbliebenen Vorkommen bei. Nicht einmal Botaniker wissen genau, welche Standortfaktoren zu einem geeigneten Frauenschuh-Biotop gehören. Die Umstellung auf das Kleinklima eines Gartens verkraften die Pflanzen gewöhnlich nicht und sterben frühzeitig ab. An zu schattigen Standorten bildet der Frauenschuh meist nur Blätter aus und verschwindet nach einiger Zeit ganz.

Pflegemaßnahmen zum Schutz der Bestände können Eingriffe in die Strauchschicht umfassen oder auch die Beseitigung von anfallendem Astmaterial. Um Abpflücken oder Ausgraben zu verhindern, wurden manche Areale mit einem Schutzgitter umgeben.

 

Besonderheiten

Es handelt sich beim Frauenschuh um eine sogenannte Kesselfallenblume. Angelockt werden potenzielle Bestäuber von der Farbgebung des Perianths als auch vom aprikosenähnlichen Duft der Pflanze. Insekten, besonders Sandbienen der Gattung Andrena und weitere kleine und kräftige Insektenarten, dringen durch das Loch an der Labellumbasis in den Kessel ein oder fallen in den Kessel, dessen glatte und glänzende Wände (mit Ölüberzug) einen Ausstieg verhindern. Der einzige Weg aus der Falle geht über den Geschlechtsapparat, das Gynostemium, hinweg und führt über zwei saftige Haartreppen nach draußen. Die Haartreppen sind durch lichtdurchlässige Stellen in der hinteren Pantoffelwand markiert. Auf diese Weise wird zuerst die Narbe und dann zumindest eine der beiden klebrigen Pollenmassen berührt. Im Gegensatz zu den meisten Orchideen sind die Pollenkörner eines Staubbeutelfachs nicht zu einer Masse, einem Pollinium, verbunden. Zur Zeit der Bestäubung sind die Samenanlagen noch nicht ausgereift.

Zuweilen lauern Raubspinnen, wie zum Beispiel Krabbenspinnen, in den Kesseln und machen diese dann zur tödlichen Falle. Der Gelbe Frauenschuh ist zur Selbstbestäubung nicht in der Lage. Für einen erfolgreichen Fruchtansatz sind daher Vorkommen seines Hauptbestäubers wesentliche Voraussetzung. Die bestäubenden Sandbienen sind auf schütter bewachsene Sandböden bzw. Sand-Lehmböden angewiesen. Zudem darf die Entfernung zwischen zwei Frauenschuhstandorten 500 Meter nicht überschreiten.

Unser Kommentar

Ein Forschungsprojekt zur mittelwaldähnlichen Waldrandgestaltung der Landschaftsstation im Kreis Höxter hat sich sehr positiv auf einzelne Frauenschuhbestände ausgewirkt. Dies könnte ein Indiz dafür sein, dass die historischen Waldnutzungsformen der Nieder- und Mittelwälder die charakteristischen Lebensräume für diese Orchideenart waren und ihre Seltenheit nicht zuletzt auch durch die Aufgabe dieser traditionellen Nutzung hervorgerufen wurde.

Lebensraum

Der Frauenschuh wächst bei kalkhaltigem Untergrund auf Waldlichtungen, grasige Stellen im Laub-, Misch- und Nadelwald im Halbschatten.

Lebensräume in denen die Art vorkommt

Die Texte dieses Artikels basieren in Teilen auf dem Wikipedia-Artikel aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und stehen unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung). In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar. Die Fotos dieser Webseite sind darin nicht eingeschlossen und unterliegen dem vollen Urheberrecht!

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Kenndaten

Ordnung Asparagales
Familie Orchidaceae
Art Frauenschuh
Wiss. Cypripedium calceolus
Autor L.
Natura 2000 1902
Rote Liste D 3
Häufigkeit selten
Höhe 16 - 60 cm

Auftreten im Jahr

J F M A M J J A S O N D

Höhenverbreitung

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Orchideen in Deutschland


Online: http://www.deutschlands-natur.de/pflanzenarten/orchideen/frauenschuh/
Datum: 26.05.2017
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