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Waschbär (Procyon lotor)

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Waschbär (Procyon lotor)

Der Waschbär (Procyon lotor), auch als Nordamerikanischer Waschbär oder altertümlich als Schupp bezeichnet, ist ein in Nordamerika heimisches mittelgroßes Säugetier.

Die Körperlänge des Waschbären liegt zwischen 41 und 71 Zentimetern, nicht eingerechnet der zwischen 19,2 und 40,5 Zentimeter lange buschige Schwanz, der normalerweise aber nicht deutlich länger als 25 Zentimeter ist. Die Schulterhöhe liegt zwischen 22,8 und 30,4 Zentimetern. Das Körpergewicht erwachsener Waschbären differiert je nach Verbreitungsgebiet und Jahreszeit zwischen 1,8 und 13,6 Kilogramm, wobei übliche Werte zwischen 3,6 und 9,0 Kilogramm liegen.

Die charakteristische Gesichtszeichnung des Waschbären mit der schwarz gefärbten Gesichtsmaske rund um die Augen, die sich scharf vom umgebenden weißen Fell absetzt, ähnelt der des Marderhundes. Auch die leicht abgerundeten Ohren werden von weißem Fell umrandet.

Am restlichen Körper ist das lange und wasserabweisende Oberfell in verschiedenen Grau- und, in geringerem Umfang, Brauntönen gefärbt.

Verbreitung

Alle in Europa vorkommenden Waschbären gehen auf Tiere zurück, die im 20. Jahrhundert aus Pelztierfarmen und Gehegen entkommen sind oder ausgesetzt wurden. Das für die Verbreitung des Waschbären in Europa wichtigste Ereignis war das Aussetzen von zwei Waschbärpaaren am 12. April 1934 am hessischen Edersee.

Heute gibt es in weiten Teilen Deutschlands sowie Gebieten der angrenzenden Länder stabile Waschbärpopulationen.

Ökologie

Waschbären sind Allesfresser, deren Speiseplan sich zu ungefähr 40 Prozent aus Wirbellosen, zu 33 Prozent aus pflanzlicher Nahrung und zu 27 Prozent aus Wirbeltieren zusammensetzt. Waschbären fressen fast alles. Während Waschbären im Frühjahr vorwiegend Insekten, Würmer, Käfer und andere schon verfügbare Tiere fressen,bevorzugen sie im Herbst kalorienhaltige pflanzliche Kost wie Obst und Nüsse, um sich genügend Winterspeck anzufressen. Was Wirbeltiere angeht, sind Fische und Amphibien wie z. B. Frösche, Kröten und Salamander die häufigsten Beutetiere. Entgegen weitverbreiteter Ansicht fressen Waschbären nur vereinzelt Vögel und Kleinsäuger wie z. B. Spitzmäuse und Haselmäuse, da sich die vergleichsweise aufwendige Jagd zur Erbeutung dieser Tiere für sie nicht lohnt. Bei großer Nahrungsauswahl können Waschbären starke individuelle Vorlieben für bestimmte Nahrungsmittel entwickeln. Im Winter finden sie demgegenüber kaum noch Nahrung und müssen bei anhaltendem Frost sogar fasten.

Waschbären tasten Nahrungsmittel und andere Gegenstände mit ihren Vorderpfoten sorgfältig ab, um sich ein Bild von ihnen zu machen und unerwünschte Teile zu entfernen - daher der Name. Wenn die schützende Hornhaut unter Wasser aufgeweicht wird, erhöht sich zudem deren Sensibilität.

Waschbären sind dämmerungs- und nachtaktive Tiere, was der Hauptgrund dafür ist, dass man sie nur selten zu Gesicht bekommt. Sie sind geschickte Kletterer und schlafen tagsüber mit Vorliebe in den Baumhöhlen alter Eichen.

Damit die Aufzucht der Welpen nicht mit dem Beginn des nächsten Winters zusammenfällt, paaren sich Waschbären zumeist im Februar. Wenn ein Weibchen nicht trächtig wird oder seine Jungen frühzeitig verliert, wird es im Mai oder Juni manchmal erneut empfängnisbereit. Nach etwa 65 Tagen Tragzeit bringt das nach der Paarung wieder allein lebende Weibchen im Frühling im Schnitt 3 Junge zur Welt. Genauso wie in Gefangenschaft gehaltene Tiere können auch wild lebende Waschbären 16 Jahre und älter werden, aber die meisten leben nur wenige Jahre.

Gefährdung

Waschbären sind Neozooen und nicht gefährdet, eher diskutiert man ihn als Schädling für die heimischen Ökosysteme.

Besonderheiten

Aufgrund seiner Anpassungsfähigkeit ist es dem Kulturfolger Waschbär gelungen, urbane Gebiete als Lebensraum zu nutzen. Die steigende Anzahl an Waschbären im menschlichen Siedlungsraum hat zu sehr unterschiedlichen Reaktionen geführt, die von totaler Ablehnung bis zur regelmäßigen Fütterung der Tiere reichen.

Während ausgeräumte Mülltonnen und abgeerntete Obstbäume von den Hausbesitzern zumeist nur als lästig angesehen werden, kann die Reparatur von Schäden, die Waschbären bei der Nutzung von Dachböden als Schlafplatz verursachen, mehrere tausend Euro kosten. Das Fangen oder Töten einzelner Tiere löst jedoch in der Regel nur Probleme mit sich besonders wild verhaltenden oder sogar aggressiven Exemplaren, da geeignete Schlafplätze entweder mehreren Waschbären bekannt sind oder bald wiederentdeckt werden. Stattdessen sind vorbeugende Maßnahmen ? wie das Stutzen von Ästen ?, die verhindern, dass Waschbären überhaupt in das Gebäude gelangen, viel effektiver und kostengünstiger.

Der Waschbär ist 2016 in die „Liste der unerwünschten Spezies“ für die Europäische Union aufgenommen worden

Unser Kommentar

Der Waschbär ist eines der erfolgreichsten Neozoen des europäischen Kontinents, da er sich innerhalb weniger Jahrzehnte über weite Teile Deutschlands ausgebreitet hat. Das EU-Projekt DAISIE stellt eine Datenbank zu Europas Neubürgern in Tier- und Pflanzenwelt auf; es listet den Waschbär unter den 100 schlimmsten invasiven Arten.

Die erhebliche Ausbreitung könnte negative Auswirkungen auf das Ökosystem Wald haben, in dem Waschbären heimischen Arten unmittelbar nachstellen oder sonst verdrängen. Belege für negative Effekte sind - wie generell bei komplexen Ökosystemen - schwer zu erbringen und werden daher kontrovers diskutiert. Ein konsequente Bekämpfung der Art wäre dann zu fordern.

Lebensraum

Von verstädterten Tieren abgesehen sind gewässerreiche Misch- und Laubwälder mit einem hohen Eichenanteil der bevorzugte Lebensraum von Waschbären. Hier finden sie genügend Nahrung und Unterschlupfmöglichkeiten. Bei Gefahr flüchten sie auf einen Baum, sie meiden deshalb offenes Gelände. Waschbären sind gute Schwimmer und leben bevorzugt in der Nähe von Flüssen oder anderen Gewässern, sie finden dort einen Großteil ihrer tierischen Nahrung.

Lebensräume in denen die Art vorkommt

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Kenndaten

Ordnung Carnivora
Familie Procyonidae
Art Waschbär
Wiss. Procyon lotor
Autor (Linnaeus, 1758)
Rote Liste D -
Häufigkeit häufig
Länge 41 - 71 cm
Alter (max.) 16
Fauna gebietsfremd

Auftreten im Jahr

J F M A M J J A S O N D

Download Artenliste

Säugetiere in Deutschland


Online: http://www.deutschlands-natur.de/tierarten/saeugetiere/waschbaer/
Datum: 23.09.2017
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