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Bauernhäuser

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Bauernhäuser

Ein Haus - genauer Bauernhaus oder Hofreite - in einem Naturportal aufzuführen erscheint auf ersten Blick noch ungewöhnlicher, als der an andere Stelle aufgeführte Bauerngarten. Und dennoch lohnt es sich, diesen Lebensraum näher zu betrachten, denn viele Pflanzen- und Tierarten finden sich in unmittelbarer Nähe der Wohnung von Menschen, auch wenn ihr ursprünglicher Lebensraum meistens in anderen Habitaten liegt.

Im Prinzip muss es sich nicht um ein Bauernhaus handeln. Dies wurde nur als Beispiel für ein Haus gewählt, welches möglicherweise schon etwas "in die Jahre" gekommen ist und bei dem man der Natur in und um das Haus noch ihren Platz lässt. Dies kann auf vielfältige Art und Weise geschehen:

So gibt es in unmittelbare Hausnähe oft kleine Flächen, die nicht sonderlich beachtet werden und auf denen sich unbemerkt Pflanzen haben ansiedeln können. Diese kleinen Ruderalflächen sind nicht selten recht nährstoffreich und können auch plötzlich wieder durch eine Aktion des Menschen zerstört werden. Gerade an diese Lebensbedingungen haben sich bestimmte Pflanzenarten angepasst: also Fläche schnell besiedeln und bis zur Samenreife kommen, bevor der Lebensraum wieder verschwindet. Typische "Unkräuter" sind Kompasslattich (Lactuca serriola), Kanadisches Berufkraut (Conyza canadensis), Weg-Malve (Malva neglecta), Kleine Malve (Malva pusilla) verschiedene Melden (Atriplex) oder viele meist schwer unterscheidbare Gänsefuß-Arten (Chenopodium), wie der markante Gute Heinrich (Chenopodium bonus-henricus), der an Spinat erinnert. Bleibt die Fläche länger erhalten, können sich auch Schwarznessel (Ballota nigra), Rainfarn (Tanacetum vulgare), Weißer Steinklee (Melilotus albus), Kleinblütige Königskerze (Verbascum thapsus) und Gewöhnlicher Natternkopf (Echium vulgare) ansiedeln, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Selbst in Bereichen, welche ständig vom Menschen betreten werden, hat sich eine spezielle "Trittflora" entwickelt; Pflanzen wie Einjähriges Rispengras (Poa annua), Vogel-Knöterich (Polygonum aviculare) und Breit-Wegerich (Plantago major), welche flach am Boden kriechen und unempfindlich auf die nicht unerheblichen mechanischen Belastungen durch Schuhe oder Fahrzeuge reagieren.

Mit diesen Pflanzenarten kommen auch entsprechende blütenbesuchende Insektenarten. Oder andere ernähren sich direkt von der Pflanze - beispielsweise kann die Brennessel in einer nährstoffreichen Ecke den Raupen von Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs und C-Falter als Nahrung dienen. Aber auch andere Tierarten finden selbstverständlich ihre Nischen. Wurde in den Wänden des Bauernhauses sandhaltiger Mörtel oder Lehm verarbeitet und ist an einer kleinen Stelle vielleicht unbemerkt etwas Putz abgefallen, können dort Wildbienen ihre Röhren anlegen und Nachwuchs aufziehen. In der Scheune oder unter dem Dach können Rauchschwalben und Mehlschwalben ihre Nester anlegen. Auf dem Dachboden brütet die Schleiereule, sofern man ihr ein kleines Fenster aufgelassen hat.

Nicht zu vergessen verschiedene geschütze Fledermausarten, die in Spalten am Haus oder im Dachstuhl ihr Quartier bezogen haben. Mauern und Steinhaufen dienen Zauneidechse und Blindschleiche als Lebensraum, zwischen den Mauerritzen wächst das Mauer-Zimbelkraut (Cymbalaria muralis). Marder und Waschbär besiedeln Scheunen und Dachböden - nicht immer zur Freude der Eigentümer.

Sterile Neubauten, mit geteerten Einfahrten und versiegelten Dachstühlen können alle diese Nischen nicht bieten. Dadurch kann auch in ländlichen Gebieten den Organismen zunehmend die Lebensgrundlage entzogen werden.

Verbreitung

Noch gibt es - vorwiegend in ländlichen Gebieten - zahlreiche dieser Wohnstätten, die den typischen Kulturfolgern unter den Tieren und Pflanzen eine Existenz erlauben.

Gefährdung

Es liegt in der Natur der Dinge, dass gerade die alten bäuerlichen Häuser langsam in unseren Dörfern verschwinden. Das hat natürlich etwas mit geändertem Lebensstil der Menschen zu tun, aber auch mit Änderungen von Baumaterialien. Problematisch kann auch die Restaurierung alter Häuser sein, denn mit ihr können Nichen für Tier- und Pflanzenarten verloren gehen.

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Kenndaten

Name Bauernhäuser
Häufigkeit sehr häufig

Höhenverbreitung


Online: http://www.deutschlands-natur.de/lebensraeume/anthropogen/bauernhaeuser/
Datum: 20.11.2017
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