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Westliche Keiljungfer (Gomphus pulchellus)

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Westliche Keiljungfer (Gomphus pulchellus)

Die Westliche Keiljungfer (Gomphus pulchellus) ist eine relativ schlank und zierlich gebaute Keiljungfer; sie erreicht eine Körperlänge von 45 bis 50 Millimetern und eine Flügelspannweite von 60 bis 70 Millimetern. Die Beine sind schwarz und gelb gestreift. Zur Unterscheidung von anderen Gomphus-Arten ist zudem die genaue Anordnung der schwarzen Streifenzeichnung auf der gelben Brust (Thorax) bedeutsam. Die schwarzen Linien dort sind recht schmal, was auch für die dunklen Zeichnungselemente des Körpers insgesamt zutrifft. Daher wirken die Tiere relativ hell. Zumindest jugendliche Exemplare weisen ein leuchtendes Gelb auf, das mit zunehmendem Alter allerdings verblasst und ins Grauolive verdüstert.

Das Ende des Hinterleibs ist bei der Westlichen Keiljungfer weder bei den Männchen noch bei den Weibchen keulig erweitert. Während bei den Männchen aber das zweite Segment des Hinterleibs taillenartig eingeschnürt ist, haben die Weibchen ein gleichmäßig dickes zylindrisches Abdomen. Es bestehen Verwechslungsmöglichkeiten mit diversen anderen Keiljungfern, darunter Gomphus flavipes und Gomphus simillimus.

Die Larven und entsprechend die später an Land auffindbaren Exuvien sind ähnlich flach gebaut wie die der Gemeinen Keiljungfer (Gomphus vulgatissimus), haben aber hinten eine länger ausgezogene Abdomenspitze, welche jedoch nicht so langgestreckt ist wie bei der Asiatischen Keiljungfer.

Verbreitung

Noch Anfang des 20. Jahrhunderts galt der Rhein als nordöstliche Arealgrenze der Westlichen Keiljungfer; Deutschland somit als nicht besiedelt. Inzwischen hat sich das Verbreitungsgebiet aber wiederum deutlich nach Nordosten erweitert; es liegen nun Beobachtungen bis aus Nordniedersachsen (Ostfriesland, Elbe-Weser-Dreieck) und Sachsen-Anhalt vor. Über Donau und Main findet eine Ausbreitung in Richtung Osten statt.

Als Schwerpunktvorkommen in Deutschland wird derzeit die Oberrheinebene genannt. Die Expansion des Verbreitungsgebietes wird zum einen mit klimatischen Veränderungen, zum anderen mit einem erhöhten Biotopangebot erklärt. Die Westliche Keiljungfer nutzt vor allem Baggerseen in Kiesgruben als Sekundärlebensräume und hat insofern von deren Zunahme profitiert. Insbesondere in Flussauen entstehen oft großräumige Nassabbaustellen von Kiesen und Sanden. Syntop kommt an größeren Seen manchmal die Gemeine Keiljungfer vor.

Ökologie

Das Schlüpfen der Westlichen Keiljungfer, beginnt in Mitteleuropa bereits ab Anfang Mai. Die Flugzeit dauert bis in den August, wobei der Schwerpunkt im Juni und Juli liegt. Die Lebensdauer einer adulten Libelle dieser Art wird mit maximal etwa 45 Tagen beziffert. Sie jagen auf sonnigen Wiesen, Waldschneisen oder in Hochstaudenfluren nach Insekten. Sie bevorzugen dabei sitzende oder niedrig fliegende Beute, die sie unter ihrem Thorax zu Boden drücken, beispielsweise Kohlschnaken (Tipula oleracea).

Als geschlechtsreife Tiere kehren sie wieder zum Gewässer zurück. Hier halten sich die Männchen nun bevorzugt an sonnigen Sand- und Kiesufern dicht am Wasser auf und sind nicht sehr flugfreudig. Untereinander verhalten sie sich relativ friedlich; gegenüber gleichzeitig aktiven Großen Blaupfeilen kommt es dagegen häufiger zu Attacken. Fliegt ein Weibchen zum Gewässer an, wird dieses in der Regel sogleich von einem Männchen ergriffen. Das eigentliche Paarungsrad wird stets über dem Wasser in zwei bis vier Metern Höhe gebildet; die Kopulation wird dann in der Ufervegetation fortgesetzt.

Bei der Eiablage presst das Weibchen im Sitzen einen Eiballen aus, der anschließend durch wiederholtes kurzes Eintauchen des Abdomens portionsweise auf der Wasseroberfläche abgestreift wird. Die Eier sinken auf den Gewässergrund und bleiben mithilfe einer klebrigen Gallertscheibe am Sediment haften. Die Larven der Westlichen Keiljungfer leben im Bodengrund des Gewässers, beispielsweise in Sedimenten aus Grobdetritus, zwischen submersem Falllaub oder in den Spalträumen zwischen Gestein. Dank ihrer zumeist nächtlichen und unterirdischen Aktivität können die Larven auch in Seen mit hohem Prädationsdruck durch Fische überleben und abundanzstarke Populationen aufbauen. Sie jagen im Sediment nach allerlei Kleingetier wie etwa Schlammröhrenwürmern, Zuckmückenlarven, Roll-Egeln und Schlammfliegenlarven. Sie haben eine meist zweijährige, manchmal auch dreijährige Entwicklungszeit, in der sie bis zu 15 Häutungsstadien durchlaufen.

Gefährdung

Die ursprünglichen Lebensräume der Westlichen Keiljungfer – Flussauen mit natürlicher Prozessdynamik – sind in Mitteleuropa kaum noch vorhanden oder durch den Menschen völlig verändert. Daher ist die Art heute in hohem Maße auf Ersatzlebensräume wie Baggerseen angewiesen. Dort kann Eutrophierung, Besatz mit stark gründelnden Fischen (Karpfen u. a.) sowie intensiver Freizeitbetrieb durch Angler und Badegäste das Überleben der Larven im Gewässergrund beeinträchtigen.

Besonderheiten

Wie bei vielen Tiergruppen, gibt es auch bei den Libellen einige Arten, die sich in den letzten Jahren deutlich ausgebreitet haben; dazu gehört auch diese Art. Ihnen allen ist gemein, dass sie wärmeliebend sind und deshalb früher nur in wärmebegünstigten Regionen - meistens in Süddeutschland - vorkamen. Dies lässt kaum andere Schlüsse zu, als dass die Ausbreitung der Arten in Zusammenhang mit klimatische Änderungen zu sehen ist.

Lebensraum

Heute stellen klare, vegetationsarme Baggerseen den wichtigsten Lebensraumtyp der Westlichen Keiljungfer dar; darüber hinaus besiedelt sie Stauseen, eutrophe Moorweiher, Altarme von Flüssen, Flussunterläufe und breite, träge fließende Kanäle. Gemeinsame Merkmale dieser Gewässer sind besonnte, offene (wenig bewachsene) Sand-, Kies- oder Geröllufer, verbunden mit tieferen Wasserzonen, die feinkörnige bis schlammige Sedimente aufweisen.

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Kenndaten

Ordnung Odonata
Familie Gomphidae
Art Westliche Keiljungfer
Wiss. Gomphus pulchellus
Autor (Selys, 1840)
Häufigkeit mittel
Länge 4.5 - 5 cm
Spannweite 6 - 7 cm

Auftreten im Jahr

J F M A M J J A S O N D

Höhenverbreitung

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Libellen in Deutschland


Online: http://www.deutschlands-natur.de/tierarten/libellen/westliche-keiljungfer/
Datum: 22.03.2017
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