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Mittelgebirgsbäche

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Mittelgebirgsbäche

Den typischen Mittelgebirgsbach gibt es eigentlich nicht, denn die Zusammensetzung des Untergrundes (grobes oder feines Substrat), die Wasserchemie (saures oder basisches Gestein) und das Abflussverhalten (konstant oder wechselhaft) bestimmen entscheidend, welche Artengemeinschaften sich in diesem Lebensraum ausbilden. Deshalb unterscheiden Fließgewässerökologen auch viele Untertypen von Mittelgebirgsbächen.

Dennoch können gewissen Grundeigenschaften beschrieben werden, welche typisch für Mittelgebirgsbäche sind: Da sie aus den Mittelgebirgen entwässern, ist die Fließgeschwindigkeit i.d.R. erhöht, wenn auch nicht so hoch wie in alpinen Flüssen. Der Bachverlauf ist selten geradlinig, sonder unter natürlichen Bedingungen fast immer verzweigt oder gewunden. Je nach Untergrund können grobe Substrate (Kies, Schotter) oder feine Substrate (Sand, Schlick) das Bild dominieren.

Auch bei scheinbar einheitlicher Bachstruktur finden sich an natürlichen Mittelgebirgsbächen jeden Types immer wieder Mikrolebensräume, die das jeweilig andere Substrat aufweisen. Sei es eine Sand- oder Schlickbank hinter einem umgestürzten Baumstamm oder Kies und Schotter an einem flachen und schnell fließenden Bachabschnitt. Im Uferbereich können sich bei niedrigem Wasserstand Bänke aus dem vorherrschendem Substrat ausbilden. Auch die Wassertiefe kann unter natürlichen Bedingungen kleinräumig sehr unterschiedlich sein.

Mittelgebirgsbächse sind nicht selten wenigstens abschnittsweise von Bäumen - z.B. der Schwarzerle - beschattet. Die Tiergemeinschaft in den Bächen kann aus oben genannten Gründen kaum pauschal klassifiziert werden. Vornehmlich handelt es sich um Wasserinsekten aus den Gruppen Eintagsfliegen, Steinfliegen, Köcherfliegen und Wasserkäfer. Dabei kann man sagen, dass Mittelgebirgsbäche mit gröberen Substraten sowohl bezüglich Fischarten, als auch bei Insektenarten tendenziel artenreicher sind, als solche mit feinen Substraten. Bei ausreichender Wasserqualität und leicht reduziertem Gefälle kann sich auch ein Fließgewässer mit umfangreiche Wasserpflanzenbewuchs ausbilden.

Unter den Fischen wären typische Arten Bachforelle, Groppe, Schmerle, Döbel, Elritze, Hasel, Rotauge oder in feinen Substraten Bachneunaugen. Im Einzugsgebiet des Rheins, kann man auch den Lachs noch zu diesem Lebensraum zählen, denn bis in diese Bereiche zieht er zur Ablage seiner Eier. Nur noch an wenigen Orten findet man die seltenen Flussperlmuscheln (Margaritifera margaritifera) in Mittelgebirgsbächen.

Unter den Libellen sind Zweigestreifte Quelljungfer (Cordulegaster boltonii) - meist an kleineren Zuläufen - und allgemein die Blauflügel-Prachtlibelle (Calopteryx virgo) typische Arten der Mittelgebirgsbäche.

Eisvogel, Fischotter und Biber sind typische Wirbeltiere die man je nach Region in diesem Lebensraum antreffen kann. Besonders weit am Oberlauf, wenn der Bach noch eher ein Rinnsal ist, gehört der Feuersalamander als typische Art in diesen Lebensraum.

Bildergalerie von typischen Pflanzenarten in diesem Lebensraum

Schwarz-Erle

Verbreitung

Mittelgebirgsbäche findet man - wie der Namen schon sagt - überall in Deutschland, wo Mittelgebirge sind bzw. das Gelände ein gewisses Gefälle aufweist. In diesen Gebieten sind sie zwar überall recht häufig, aber meist beeinträchtigt und natürliche Abschnitte können weitgehend fehlen.

Gefährdung

Alle Fließgewässer sind durch Eingriffe in Abflussverhalten und Geschiebefracht sowie durch Stoffeinträge gefährdet. Dies kann durch Längs- und Querverbauungen in Form von Dämmen, Stauwehren oder Uferbefestigungen geschehen; auch unmittelbare Substratentnahme (Kies, Schotter) kann ein Problem darstellen. Selbstverständlich wirken sich auch Verrohrungen und Befestigungen des Flussbettes negativ auf die Lebensgemeinschaften aus. Bei Belastungen von Fließgewässern muss man sich immer vor Augen führen, dass die Folgen nicht auf den Ort des Ereignisses begrenzt bleiben, sondern quasi alle weiteren Abschnitte flussabwärts betroffen sind. Ein Giftunfall im Oberlauf kann die Artengemeinschaft im gesamten Fluss abtöten und Änderungen an der Geschiebefracht wirken sich noch dutzende von Kilometern weiter flussabwärts negativ aus.

Fast alle Mittelgebirgsbäche in Deutschland erreichen irgendwann menschliche Siedlungen, fließen teilweise durch sie durch. Sie waren und sind deshalb oft mehr oder weniger starken Verbauungen ausgesetzt. Auch Einleitungen von Abwassern haben über Jahrzehnte zu einer Verarmung der Artengemeinschaften geführt. Hier ist auch die Belastung durch die Landwirtschaft zu nennen, welche teilweise bis an die Bachränder reicht. Pestizide und Dünger, welche auf die Flächen ausgebracht wurden oder feine Substrate, welche von Ackerflächen ausgewaschen werden, beeinträchtigen die Wasserqualität.

Andererseits ist die Wasserqualität heutzutage durch Umweltschutzmaßnahmen vielerorts schon deutlich besser geworden, z.B. durch die Anbindung der Häuser an Kläranlagen oder das Verbot bis nahe an die Bäche Landwirtschaft zu betreiben. In den letzten jahren konnte man deshalb das Augenmerk noch stärker auf Verbesserungen der Struktur von Mittelgebirgsbächen legen, also dafür Sorge zu tragen, dass Bachverlauf und Substratfracht den natürlichen verhältnissen eher entsprechen. Auch der Rückbau von Baumaßnahmen wie Uferbefestigungen oder Verrohrungen ist bei Mittelgebirgsbächen meistens noch leichter möglich, als z.B. bei großen wasserreichen Flüssen.

Libellen in diesem Lebensraum

Amphibien & Reptilien in diesem Lebensraum

Süßwasserfische in diesem Lebensraum

Säugetiere in diesem Lebensraum

Wanzen in diesem Lebensraum

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Kenndaten

Name Mittelgebirgsbäche
Häufigkeit häufig

Online: http://www.deutschlands-natur.de/lebensraeume/suesswasser/mittelgebirgsbaeche/
Datum: 27.05.2017
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