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Alpenbock (Rosalia alpina)

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Alpenbock (Rosalia alpina)

Der Alpenbock (Foto: M. Sommer) gehört mit gewöhnlich fast drei Zentimetern Körperlänge zu den größeren Bockkäfern, seine Länge variiert zwischen 18 und 38 Millimetern. Die Männchen sind durchschnittlich kleiner als die Weibchen.

Beim Männchen überragen die Fühler das Hinterende der Flügeldecke bei weitem, beim Weibchen erreichen sie dieses knapp. An den mittleren der elf Fühlerglieder befinden sich schwarze Haarbüschel, beim Männchen am dritten bis sechsten, beim Weibchen am dritten bis achten Glied. Dadurch erscheinen die entsprechenden Fühlergelenke schwarz verdickt. Die Facettenaugen liegen der Einlenkungsstelle der Fühler von hinten an und umschließen diese nierenförmig etwa zur Hälfte.

Der Halsschild trägt beiderseits einen stumpfen Stachel und ist in der Mitte am breitesten, etwas breiter als der Kopf und deutlich schmäler als die Flügeldecken. Diese sind lang und überall gleich breit und enden in einen abgeflachten Halbkreis. Die Beine sind ungewöhnlich groß und kräftig und ermöglichen ein gewandtes Klettern.

Der Käfer ist durch seine Zeichnung unverwechselbar. Der größte Teil des Körpers erscheint blau, was auf eine nur bei Vergrößerung erkennbare sehr feine und dichte Behaarung zurückzuführen ist. Die Farbe der Behaarung variiert von einem tiefen Himmelblau über ein helles Grau bis zu einem hellen Blauviolett. Die Körperteile ohne Behaarung sind samtig Schwarz. Diese Farbe kommt an den Gelenken der Beine und Fühler, einem Fleck auf dem Halsschild und der Zeichnung der Flügeldecken zum Vorschein. Diese Flügeldeckenzeichnung variiert außerordentlich. Im typischen Fall liegen auf jeder Flügeldecke drei Flecke. Die Flecke im vorderen Flügeldrittel liegen am Außenrand der Flügeldecken, die im hinteren Flügeldrittel sind kleiner und sind der Flügeldeckennaht genähert, die Flecken in der Flügelmitte sind zu einem breiten stumpf gezackten Band verschmolzen. Im sehr seltenen Fall kann das Tier auch ganz blau oder ganz schwarz sein.

Verbreitung

Verbreitung Rosalia alpina

In Deutschland liegt die nördliche Verbreitungsgrenze des Alpenbocks. Er kommt bei uns nur in den Nordalpen und im südlichen Baden Württemberg vor.

© Verbreitungskarte. Quelle: BfN/BMUB 2013: Nationaler Bericht Deutschlands nach Art. 17 FFH-Richtlinie, 2013; basierend auf Daten der Länder und des Bundes. Datengrundlage: Verbreitungsdaten der Bundesländer und des BfN. URL: www.bfn.de/0316_bericht2013.html (zuletzt aufgerufen am: 23.02.2016)


Ökologie

Die Käfer erscheinen in höheren Lagen erst Anfang Juli, die Männchen einige Tage vor den Weibchen. Sie zeigen sich bei gutem Wetter zur warmen Tageszeit flugfreudig. Wenn frischgeschlagene Buchenholzstämme oder Brennholzklafter mit Buchenholz in der Nähe sind, wird der Käfer durch diese angezogen. Andernfalls wird der besonnte untere Stammteil eines möglichen Brutbaumes angeflogen. Dort verharren die Käfer kurz, dann erkunden sie krabbelnd die nähere Umgebung. Sie entscheiden sich für eine Warte, wo sie gut getarnt sind und einen weiten Überblick haben. Dort bleiben sie bewegungslos sitzen, nur die Fühler prüfen die Luft mit bedächtigen Bewegungen auf Gerüche. Oft kann man einen Käfer am folgenden Tag in gleicher Haltung an gleicher Stelle antreffen.

Ein guter Brutbaum bietet Platz für mehrere Reviere. Wenn ein Weibchen anfliegt, nähert sich das Männchen und folgt dem Weibchen, bis dies in die Paarung einwilligt. Fliegt das Weibchen weg, folgt das Männchen in der Regel nicht. Die Paarung dauert etwa eine Stunde. Danach hält sich das Männchen noch einige Zeit in der Nähe des Weibchens auf, um andere Männchen abzuwehren. Gegen Abend und bei schlechtem Wetter ziehen sich die Tiere in die Baumkronen oder in die Höhlungen des Baums zurück.

Bei der Eiablage selbst trifft man das Weibchen gewöhnlich allein an. Dabei sitzt es ruhig auf dem Holz, nur die ausgestülpte Hinterleibsspitze tastet den Untergrund nach Verletzungen der Rinde oder Risse im Holz ab. Findet sich dabei eine Ritze, so dringt der Legeapparat an der Hinterleibsspitze bis zu 4 cm ins Holz oder unter die Rinde vor. Die Eier werden gewöhnlich einzeln abgelegt. Dabei sind die Fühler nach hinten angelegt. Anschließend setzt das Tier an einem anderen Ort diese Tätigkeit fort.

Die adulten Käfer werden nur etwa 10 Tage alt, nach anderen Angaben drei bis sechs Wochen. Ab Mitte August trifft man keine Tiere mehr an. Die Eier werden an besonnten Stellen im unteren Stammbereich des Brutbaumes oder bei hohlen Stämmen auch im Stamminnern, gelegentlich auch im Kronenbereich abgelegt, auf jeden Fall jedoch an Stellen, an denen das Holz im Absterben begriffen ist.

Die aus dem Ei geschlüpfte Larve frisst im Bereich des austrocknenden Holzes weiter, später dringt sie ins Totholz ein (saproxylophag). Nach gewöhnlich 3-4 Jahren nähert sich der Fraßgang wieder der Holzoberfläche. Die Larve baut eine Puppenwiege, nagt sich einen Ausgang, verstopft ihn dann wieder und verpuppt sich anschließend. Bald nach dem Schlüpfen verbreitert der Käfer die vorbereitete Öffnung zu einem flachen Oval, (6-11 mm lang und 4-8 mm breit und in Längsfaserrichtung - und zwängt sich ins Freie. Das helle charakteristische Ausschlupfloch zeichnet sich auf der dunklen Umgebung deutlich ab und wird auch zum Monitoring der Käfer verwendet.

Über die Nahrung des adulten Tieres gibt es widersprüchliche Angaben. Es soll überhaupt nichts fressen, oder Blätter des Brutbaums nagen und austretenden Baumsaft trinken, keine Blüten fressen oder auf Doldenblütlern Pollen fressen. Eventuell lassen sich diese scheinbaren Widersprüche durch Rassenbildung erklären.

Gefährdung

Der Alpenbock ist europaweit geschützt und im Schutznetz Natura 2000 auf die Liste II und IV gesetzt worden.

Als Gefährungsursachen werden 5 Gründe genannt:

  • Die Weibchen bevorzugen zur Eiablage frisch gefällte Stämme und Holzklafter (Brennholz). Wenn diese abtransportiert und weiterverarbeitet werden, kann sich der Käfer nicht entwickeln.
  • Bei der derzeit noch vorherrschenden Bewirtschaftung (Bild 10) der Wälder werden die potenziellen Brutbäume beseitigt.
  • Ehemalige Weideflächen wachsen zu und die darauf befindlichen Brutbäume werden dadurch unbrauchbar.
  • Bleibt ausnahmsweise Totholz in beschatteter Lage liegen, so verhindert der durch Feuchtigkeit begünstigte Befall durch Saprophyten die Entwicklung der Larven.
  • Die Weibchen lassen sich von den Pheromonfallen für Borkenkäfer ebenfalls anlocken und werden dadurch daran gehindert, für die Eiablage geeignete Brutbäume zu wählen.

Als hilfreiche Schutzmaßnahmen werden:

  • Der weitreichendste Schutz wäre, ganze Bergzüge wieder auf traditionelle Bewirtschaftung mit Beweidung der Gipfellagen zurückzuführen. Trassenführung beim Straßenbau, Landwirtschaftliche Erschließung und Ausweisung neuer Baugebiete haben die Lebensräume des Käfers zu respektieren. Hier schaffen die EU-Richtlinien einen deutlichen politischen Druck.
  • Dem einzelnen Waldbesitzer wird empfohlen, die Holzentnahme auf Zeiträume zu beschränken, in denen das Weibchen das geschlagene Holz nicht mit Eiern belegen kann (September bis Juli), oder es zumindest schattig zu lagern. Absterbende Bäume oder aufrechtstehendes Holz nach Sturmschäden sollen im Wald verbleiben.
  • Die Eidgenössische Forschungsanstalt WSL hat in Versuchsreihen herausgefunden, dass als Nisthilfen senkrecht aufgestellte Buchenstämme von zwei bis drei Metern Höhe und mindestens 30 Zentimetern Dicke in sonniger Lage von den Weibchen am liebsten angenommen werden und auch zu Bruterfolg führen. Solche Nisthilfen könnte jeder Naturschutzverein, selbst Landwirte oder Gartenbesitzer als Einzelpersonen aufstellen. Natürlich ist dies nur möglich, wenn es in der Gegend noch Alpenböcke gibt oder auf andere Art sichergestellt wird, dass die Bäume mit Eiern belegt werden.

genannt.

Lebensraum

Montane und subalpine Buchen- und Ahornwälder in Bayern und Baden-Württemberg. Wenn man Glück hat, kann man den Alpenbock auch einmal in anderen hochmontanen bis alpinen Lebensräumen finden, jedoch nur, wenn in der Nähe die erwähnten Buchenwälder sind.

Lebensräume in denen die Art vorkommt

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Kenndaten

Ordnung Coleoptera
Familie Cerambycidae
Art Alpenbock
Wiss. Rosalia alpina
Autor (Linnaeus, 1758)
Natura 2000 1087
Häufigkeit sehr selten
Länge 2 - 3 cm

Auftreten im Jahr

J F M A M J J A S O N D

Höhenverbreitung


Online: http://www.deutschlands-natur.de/tierarten/kaefer/alpenbock/
Datum: 24.06.2017
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