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Binnendünen mit Magerrasen

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Binnendünen mit Magerrasen

Im Binnenland - weit entfernt von Nord- und Ostsee - gibt es Sanddünen, auf denen sich in lückigen Bücheln Silbergras (Corynephorus canescens) und Sand-Straußgras (Agrostis vinealis) angesiedelt haben.

Entstanden sind diese Lebensräume vor langer Zeit als Sandverwehungen nach den Eiszeiten. Ihre aktuelle Erscheinung verdanken sie aber dem Einfluss des Menschen. Unter den extremen Wachstumsbedingungen bilden Binnendünen mit Silbergras und Sand-Straußgras einen lückige Rasen - sogenannte Sandtrockenrasen.

Große Temperaturextrema, geringe Wasserspeicherkapazität und durch Nährstoff- und Humusarmut gekennzeichnete Böden charakterisieren diesen Lebensraum. Die Sonneneinstrahlung können ebenfalls extrem sein. Die lückigen Sandmagerrasen sind als Pionierstandorte zu bezeichnen. Vor der Besiedlung durch die Pionierarten der Sandrasen sind die Binnendünenstandorte meist gänzlich vegetationsfrei. Das lockere Substrat wird durch den Wind oft umgelagert, bis es durch zunehmende Vegetationsbedeckung zur Festlegung des Sandes kommt. Langfristig schließt sich die Pflanzendecke ganz und dieser Lebensraum geht in einen Waldlebensraum über. Die Nutzung durch den Menschen - nicht selten als Weidefläche für Schafe - hat zum Erhalt der Lebensräume bis in heutige Zeiten geführt, allerdings ist ihre Ausdehnung - verglichen mit ihrer früheren Anteilen - deutlich zurück gegangen. Binnendünen stellen in vielen küstenfernen Bundesländern deshalb eine Besonderheit dar.

Neben den genanten Grasarten findet man weitere Pflanzenarten, welche ähnliche Ansprüche an ihren Lebensraum stellen: Sand-Segge (Carex arenaria), Sand-Grasnelke (Armeria maritima, Foto), Acker-Hornkraut (Cerastium arvense) oder z.B. Heide-Nelke (Dianthus deltoides). Auch seltene Moos- und Flechtenarten wachsen in diesem Lebensraum.

Bedeutend sind Binnendünen mit offenen Grasflächen für die Tierwelt. Unter den Insekten sind insbesondere Hautflüglerarten wie verschiedene Wildbienen und Grabwespenarten, Heuschreckenarten und Käferarten genannt. Außerdem auch zahlreiche Spinnenarten.

Verbreitung

Verbreitung

Die Schwerpunkte der offenen Binnendünen liegen im nordwest- und nordostdeutschen Tiefland. Im Osten Deutschlands liegt die Hauptverbreitung in den großen Stromtälern wie im Elbe-Mulde-Tiefland sowie in den Sandgebieten des Brandenburgischen Heide- und Seengebiets und der Mecklenburgischen Seenplatte. In Rheinland-Pfalz sind Binnendünen sind durch Sandverwehungen in der Oberrheinebene und dem Rhein-Main-Tiefland entstanden. In Bayern liegen Schwerpunkte in den Naturräumen Fränkische Keuper-Liasland und Unterbayerischen Hügelland sowie Odenwald, Spessart, Südrhön und Mainfränkische Platten. In Sachsen liegen Verbreitungsschwerpunkt in den Naturräumen des nordsächsischen Pleistozängebietes Muskauer Heide, Königsbrück-Ruhlander Heiden, Düben-Dahlener Heide, Elsterwerda-Herzberger Elsterniederung und Oberlausitzer Heide- und Teichgebiet.

© Verbreitungskarte. Quelle: BfN/BMUB 2013: Nationaler Bericht Deutschlands nach Art. 17 FFH-Richtlinie, 2013; basierend auf Daten der Länder und des Bundes. Datengrundlage: Verbreitungsdaten der Bundesländer und des BfN. URL: www.bfn.de/0316_bericht2013.html (zuletzt aufgerufen am: 23.02.2016)


Gefährdung

Hauptgefährdungsursachen der offenen Binnendünen mit lückiger Vegetation sind Nutzungsaufgabe und dadurch Weiterentwicklung hin zu Wäldern, Aufforstung (meist mit Kiefer, da diese dort noch wachsen kann) und Nährstoffeintrag. Ggf. kann auch noch eine unmittelbare Gefährdung durch Sandnutzung (Abgrabung) entstehen. Nur bei extremen Standortsbedingungen (Windeinfluß, sehr arme Sande) ist keine Pflege der offenen Binnendünen erforderlich. Bei nährstoffreicheren oder feinerdereichen Sanden ist eine mäßig intensive Schafbeweidung, alternativ gelegentliches Brennen oder Plaggen (nur kleinflächig möglich) erforderlich, um der natürlichen Entwicklung entgegenzuwirken. Ein Problem stellt dabei der menschenbedingte Nährstoffeintrag über die Luft dar, welcher den Bioden düngt und dadurch zu verstärktem Zuwachsen der Bestände führt.

Besonderheiten

Am Ende der Eiszeiten sah die Landschaft bei uns ähnlich baumlos und mit lückiger Pflanzendecke aus, wie heute in der Tundra. In dieser Zeit sind Binnendünen durch Anwehungen von Sanden entstanden. Durch Beweidung und die damit einhergehende Trittbelastung hat es immer wieder freigelegten Sandflächen gegeben, die wiederum neu von Pflanzen besiedelt werden konnte. Im Mittelater wurden durch Übernutzung auch ganz neue Sandflächen freigelegt welche bis dahin bereits zugewachsen waren. Dies ist wichtig zu wissen, wenn man die zukünftige Entwicklung dieses Lebensraumes vor Augen hat: ohne entsprechende Nutzung kann der Lebensraum nicht erhalten werden. Dazu gehören insbesondere "Störungen" der Pflanzendecke. Nicht zuletzt deshalb finden sich heute große Sandmagerrasenflächen noch auf Truppenübungsplätzen, da dort regelmäßig "Störungen" auftraten. Das muss man auch deshalb betonen, weil die Aufgabe von Truppenübungsplätzen auch zum Verlsut dieses Lebensraumes führen kann, wenn man keine Gegenmaßnahmen ergreift.

Tagfalter in diesem Lebensraum

Typische Arten

Argus-Bläuling
(Plebeius argus)

Ein kleiner Bläuling mit Dorn am Schienbein

Gemeiner Bläuling
(Polyommatus icarus)

Einer der häufigsten Bläulinge in Deutschland

Idas-Bläuling
(Plebeius idas)

Seltener Bläuling in Begleitung von Ameisen

Kleiner Feuerfalter
(Lycaena phlaeas)

Der kleinste und häufigste Feuerfalter in unserer Fauna

Kleines Wiesenvögelchen
(Coenonympha pamphilus)

Einer unserer häufigsten Falter in Graslebensräumen - das Kleine Wiesenvögelchen

Mauerfuchs
(Lasiommata megera)

Ein Fuchs, der sich gerne auf Felsen und Mauern sonnt

Wegerich-Scheckenfalter
(Melitaea cinxia)

Ein orangebrauner Scheckenfalter mit Vorliebe für magere Lebensräume



Weitere Arten

Admiral
(Vanessa atalanta)

Einer unser schönsten großen Tagfalter

Brauner Feuerfalter, Schwefelvögelchen
(Lycaena tityrus)

Bräunlicher Feuerfalter mit Vorliebe für sauren Ampfer

Braunfleckiger-Perlmutterfalter
(Boloria selene)

Ein noch regelmäßiger Gast auf feuchten und mageren Wiesen in Deutschland

Braunkolbiger Dickkopffalter
(Thymelicus sylvestris)

Ein dickköpfiger Tagfalter mit braunen Fühlerspitzen

Distelfalter
(Vanessa cardui)

Der Wanderfalter unter Alpenüberquerer unter unseren Tagfaltern

Gelbwürfeliger Dickkopffalter
(Carterocephalus palaemon)

Ein kleiner, flinker Dickkopffalter in sonnigen Gegenden

Goldene Acht, Kleegelbling
(Colias hyale)

Ein Tagfalter mit einer Zahl auf dem Hinterflügel

Großer Perlmutterfalter
(Argynnis aglaja)

Der größte Perlmutterfalter unter Deutschlands Tagfaltern

Großes Ochsenauge
(Maniola jurtina)

Ein häufiger Falter mit Augenfleck auf Wiesen und Säumen

Kleiner Fuchs
(Aglais urticae)

4Ein Fuchs unter unteren heimischen Tagfaltern

Kleiner Kohlweißling
(Pieris rapae)

Ein mittelgroßer Weißling mit Vorliebe für Kohlarten

Kleiner Perlmutterfalter
(Issoria lathonia)

Ein wanderfreudiger Perlmutterfalter, der auch in extensiven Agrarlandschaften sein Zuhause hat

Malven-Dickkopffalter
(Carcharodus alceae)

Ein wärmeliebender und unscheinbarer Dickkopffalter

Rapsweißling
(Pieris napi)

Der häufigste Weißling unter Deutschlands Tagfaltern

Reseda-Weißling
(Pontia edusa)

Ein wanderfreudiger Neuankömmling unter den heimischen Weißlingen

Rostbraunes Wiesenvögelchen
(Coenonympha glycerion)

Ein kleiner Falter mit unterbrochener Binde auf den Hinterflügeln

Schwarzkolbiger Braundickkopffalter
(Thymelicus lineola)

Ein orangfarbener Dickkopffalter mit schwarzen Fühlerkolben

Tagpfauenauge
(Inachis io)

Einer der schönsten Tagfalter Deutschlands

Wachtelweizen-Scheckenfalter
(Melitaea athalia)

Ein braun-orange gefleckter Tagfalter auf frischen Wiesen und Waldlichtungen

Zwerg-Bläuling
(Cupido minimus)

2Der Zwerg unter den heimischen Tagfaltern


Heuschrecken in diesem Lebensraum

Wanzen in diesem Lebensraum

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Kenndaten

Name Dünen mit offenen Grasflächen mit Corynephorus und Agrostis
Natura 2000 2330
Häufigkeit selten

Online: http://www.deutschlands-natur.de/lebensraeume/duenen/duenen-mit-offenen-grasflaechen-mit-corynephorus-und-agrostis/
Datum: 28.02.2017
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