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Artenreiche Äcker

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Artenreiche Äcker

Wenn auf dieser Website artenreiche Äcker als besondere Lebensräume vorgestellt werden, sollte jedem klar sein, dass hier nicht die mit Pestiziden behandelten und überdüngten Äcker aus der konventionellen Landwirtschaft gemeint sind. Vielmehr handelt es sich vor allem um Äcker auf schlechten bis mittleren Böden, die ohne Gifte, z.B. in der ökologischen Landwirtschaft, bewirtschaftet werden. Nur wenn sie durch Agrarumweltprogramme von Pestizid- und Mineraldüngereinsatz verschont bleiben, können auch die Ränder konventioneller Äcker sehr seltene Arten enthalten.

Um zu verstehen, welche Bedeutung diese Äcker für unsere Natur haben, muss man sich die Geschichte in Erinnerung rufen. Viele Lebensräume - z.B. die meisten Grünlandbiotope - sind in ihrer Entstehung auf den Menschen zurückzuführen. Dies gilt verständlicherweise insbesondere für Ackerflächen. Über Jahrtausende menschlicher Ackerwirtschaft haben sich viele Pflanzenarten auf eben jene Nutzung eingestellt und auf Äckern "ihren" Lebensraum gefunden; man spricht von der Ackerwildkrautflora, welche auf den Ackerflächen oder an den Ackerrändern wächst. Diese Pflanzenarten benötigen natürlich Anpassungen, um die doch gravierenden Eingriffe durch den Menschen gut zu überstehen, z.B. eine gewisse Robustheit was Bodenverletzungen betrifft oder z.B. Anpassungen des Lebenszyklus an die jährliche Nutzungsabfolge. Auch der abgeerntete Acker ist plötzlich ein extrem ungeschützter Lebensraum, auch damit müssen die Pflanzen zurechtkommen. Andererseits sind alle diese Pflanzen auf die Bodenbearbeitung angewiesen und gehen verloren, wenn sich die Landnutzung ändert (s.u.)

Da die Bearbeitung und Struktur von Flachsäckern, Kartoffeläckern, Getreideäckern etc., ja sogar innerhalb der Getreideäcker (z.B. Roggen, Hafer und Weizen) unterschiedlich ist, gibt es folgerichtig auch unterschiedliche Pflanzenarten auf eben jenen Äckern. Man spricht u.a. von speziellen "Flachsunkräutern", um nur ein Beispiel zu nennen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Untergrund, da dieser allgemein sehr die Zusammensetzung der Pflanzenartengemeinschaften beeinflusst. Man unterscheidet beispielsweise Kalkscherbenäcker, also basische Äcker mit hohem Anteil von Steinen, Sandäcker und Feuchtäcker. Gerade die Feuchtäcker sind sehr selten geworden, weil sie heute entweder durch Drainage trockengelegt wurden oder diese Standorte nicht mehr als Acker genutzt werden.

Es gibt überraschend viele typische Pflanzenarten, von denen die auf dem Foto zu sehenden Kornblume (hellblau) und Klatschmohn (rot) die noch recht verbreiteten "robusten" Arten sind, während der Acker-Rittersporn (Consolida regalis) (vorne, violettblau) schon seltener ist. Weitere typische Arten sind die fast ausgestorbene Kornrade (Agrostemma githago), Adonisröschen (Adonis aestivalis), Saathohlzahn (Galeopsis segetum), Ackerglockenblume (Campanula rapunculoides), Ackerminze (Mentha arvensis), Ackergoldstern (Gagea villosa), Echter Frauenspiegel (Legousia speculum-veneris) oder beispielsweise Raritäten wie Langstieliger Mannsschild (Androsace elongata), Acker-Schwarzkümmel (Nigella arvensis), Ysop-Blutweiderich (Lythrum hyssopilfolia), Kleine Wachsblume (Cerinthe minor), Finkensame (Neslia paniculata) oder Acker-Steinsame (Buglossoides arvense).

Man könnte noch viele weitere Arten nennen, welche je nach Standort und Nutzung vorkommen können; nicht alle immer so auffällig blühend, wie die Arten auf dem Foto.

Zusammen mit den Pflanzen treten natürlich auch Tierarten in diesen Lebensräumen auf. Unter den Wirbeltieren kann man Wachtelkönig, Rebhühner und Feldhamster als typische Arten nennen. Auch viele Insekten, z.B. aus den Gruppen der Laufkäfer oder Schmetterlinge, profitieren vom Pflanzen-Artenreichtum.

Bildergalerie von typischen Pflanzenarten in diesem Lebensraum

Acker-RingelblumeFeldritterspornKleine BrennnesselKornblume

Verbreitung

Artenreiche Äcker sind in Deutschland selten geworden, können aber im Prinzip überall auftreten, wo Ackerwirtschaft betrieben wird.

Die meisten und artenreichsten findet man auf Kalkstandorten der Mittelgebirge (z.B. Jura, Rhön). In Gunstlagen wie den Lößlandschaften und im Tiefland finden sich kaum noch artenreiche Äcker.

Gefährdung

Artenreiche Äcker sind sehr seltene und gefährdete Lebensräume, welche vom Naturschutz über lange Zeit "vergessen" wurden. Keine andere Pflanzengruppe hat in den letzten Jahren solche Verluste hinnehmen müssen, wie die der Ackerwildkräuter. Viele Arten sind extrem selten geworden oder bereits ganz ausgestorben. Ungefähr die Hälfte aller Ackerwildkräuter in Mitteleuropa stehen auf der "Roten Liste" der gefährdeten Arten.

Es gibt eine klare Ursache für diese Situation: die moderne, konventionelle Landwirtschaft. Nutzungsänderungen, die in der Nachkriegszeit begannen und bis heute anhalten. Im Detail kann man verschiedene Faktoren nennen, welche für den Rückgang verantwortlich sind:

  • Einsatz von Pestiziden
  • Aufgabe von Äckern auf schlechtem Boden
  • Früher Umbruch von Stoppelfeldern (Getreideäcker)
  • Aufgabe bestimmter Feldfrüchte (z.B. Flachs, Buchweizen)
  • Anbau von wenigen Hochleistungssorten
  • Drainage feuchter Standorte
  • Engere Fruchtfolge
  • Einsatz von Mineraldünger
  • Bessere Saatgutreinigung
  • Intensivere Bearbeitung der Äcker (z.B. tieferes Pflügen)

In den letzten Jahren hat man die Bedeutung der Äcker als Lebensraum für seltene Ackerwildkräuter erkannt und Maßnahmen ergriffen, die Arten zu unterstützen. Dazu gehören beispielsweise Ackerrandstreifenprogramme, in denen Landwirte einen breiten Streifen der Äcker nicht mit Pestiziden behandeln und das Wachstum von Ackerarten ermöglichen. Auch ganze "Schutzäcker" werden angelegt, um einen Erhalt bestehender Arten und vielleicht Wiederbesiedlung mit lokal ausgestorbenen Arten zu ermöglichen. Diese Maßnahmen haben erfreulicherweise in vielen Regionen wieder zur Ansiedlung seltener Ackerwildkräuter geführt bzw. können mancherorts hoffentlich das Verschwinden seltener Arten verhindern.

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Kenndaten

Name Artenreiche Äcker
Häufigkeit selten

Online: http://www.deutschlands-natur.de/lebensraeume/anthropogen/artenreiche-aecker/
Datum: 24.02.2017
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